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Paradise No! – Gegen die Relativierung antisemitischer Mordtaten!

Heute den 29.09. startet der Film Paradise Now des israelisch-arabischen Regisseurs Hany Abu-Assad über zwei palästinensische suicide bomber in den deutschen Kinos. Das Cinema Arthouse wirbt auf seiner Homepage* mit dem ARD-Zitat: Indem er unzählige Details aus dem Alltag der Palästinenser zusammen fügt, führt Hany Abu-Assad den Zuschauer zu der Erkenntnis, dass Sa� und Khaled sich letztendlich der Aufforderung zum Selbstmordattentat nicht verweigern können. Mit diesem Satz wird der Film und dessen Botschaft treffend beschrieben. Denn Schuld an den Attentaten soll alleinig Israel sein, nicht die Attentäter selbst.
Mit der einseitigen und mitfühlenden Darstellung der zukünftigen Mörder an der israelischen Bevölkerung werden die beiden palästinensischen Hauptakteure zu Opfern im Kampf um eine vermeintlich gute Sache. So erfahren die Zuschauer auch nichts über die potentiellen Opfer auf der israelischen Seite. Diese kommen nur als Soldaten und Besatzer, als entfernte Figuren, nicht als Menschen vor. Die tatsächlichen Opfer des antisemitischen Terrors werden durch suggestive Passagen des Films, als auch durch direkte Anklagen, zu Tätern.
Des Weiteren heißt es auf der Homepage des Cinema Arthouse, dass der Film dazu auffordert […] sich mit den Menschen und ihren Beweggründen auseinander zu setzen. Doch der Islam spielt keine Rolle, Familienverhältnisse kommen nur in Kitschversionen vor, der Terror stellt sich lediglich als Verzweiflungsattentat mit antifaschistischem Gestus dar, ohne die Motive der antisemitischen Attentate zu beleuchten.
An der Schlussszene zeigt sich am deutlichsten, wie der Film zudem versucht den Selbstmordattentätern eine moralische Komponente zu geben. Hier entscheidet sich Said auf Rücksicht eines kleinen Mädchens, nur einen Bus mit vorwiegend israelischen Soldaten in die Luft zu sprengen. Dass bei den Attentaten aber keine Unterschiede zwischen Zivilisten und Soldaten gemacht werden und alle jüdischen Menschen getroffen werden können und sollen, wird absichtlich verschleiert. In den letzten 5 Jahren starben 513 Israelis (nicht nur jüdische) und 3.380 wurden verletzt durch 160 SelbstmordattentäterInnen, durch weitere 24.000 Anschläge auf israelische Zivilisten sind 1.000 Israelis gestorben**. Kaum verwunderlich, sondern schon eher eine Voraussetzung für den Film ist, dass der Regisseur Selbstmordanschläge nicht verurteilen kann. Selbst durch die Entscheidung der zweiten Hauptfigur gegen den Anschlag, wird durch die Inszenierung der eigenen Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit im zukünftigen Kampf gegen Israel, diese zur weiteren kaschierten Propaganda für den Massenmord an israelischen Menschen.

Warum der zum Teil mit deutschen Geldern produzierte Film mit antisemitischen Gehalt bei den Filmfestspielen den Publikumspreis, sowie den Blauen Engel erhielt, diese Frage lassen wir im Raum stehen.
Sicher ist nur, dass dieser Film dem Antisemitismus weiter Vorschub leistet, welcher in den letzten Jahren einen starken Anstieg verzeichnet. Paradise Now stellt abstrakt den jüdischen Staat als negative Gesamtheit dar, gegen den sich die Palästinenser wenn sie nicht zerstört werden wollen zur wehr setzen müssen. Die Ideologie des eliminatorischen Antisemitismus wird so versucht zu rationalisieren und Massenmord legitimiert.

Durch die Shoa wurden sechs Millionen Jüdinnen und Juden industriell vernichtet, der Vernichtung willens. Der Staat Israel ist eine direkte Konsequenz aus dem Holocaust und muss als wehrhafte Zuflucht für jüdische Menschen erhalten bleiben, solange die Verhältnisse die Möglichkeit der Wiederholung bieten. Seit Gründung des Staates Israel wurde dieser angefeindet und muss um sein/e Existenz(recht) kämpfen. Eine Zwei-Staaten-Lösung wurde von Anfang an von der palästinensischen/arabischen Seite abgelehnt und es wurde versucht durch Kriege den Staat Israel zu vernichten, welches heute immer noch das erklärte Ziel von Hamas&Co ist. Historische Verantwortung, sowie die Auseinandersetzung mit den wahren Begebenheiten könnten allzu leicht in einem deutschen Kinosessel untergehen, schließlich ist es kein Sitz in einem israelischen Bus.

*http://www.cinema-arthouse.de/Paradise_Now/paradise_now.html
**http://nlarchiv.israel.de/2005_html/07/Newsletter%20vom%202005-07-15a.htm